Spanische Hunderassen: 12 faszinierende Rassen im Überblick

Spanien hat über 20 anerkannte Hunderassen – doch die meisten sind Arbeitshunde, keine Familienbegleiter. Warum Zehntausende Galgos und Podencos jedes Jahr ausgesetzt werden und was Adoptanten wirklich erwartet.

Spanische Hunderassen: 12 faszinierende Rassen im Überblick

Spanische Hunderassen: mehr als nur Galgo und Podenco

Ich habe drei Jahre in Andalusien gelebt. Wer dort ein Haus auf dem Land mietet, bekommt früher oder später einen Hund dazu. Nicht freiwillig. Einfach so. Bei mir war es ein Podenco Andaluz, den ich „Mango" nannte, weil er die Farbe von unreifen Mangos hatte und genauso ungenießbar tat.

Vorher dachte ich, ich kenne spanische Hunderassen. Ich kannte den Galgo aus Tierschutz-Newsletters. Ich kannte den Podenco als „das ist doch so ein Windhund, oder?". Falsch. Spanien hat über 20 anerkannte Rassen, dazu Dutzende lokale Schläge, die nie einen FCI-Standard bekommen haben. Und die allerwenigsten davon sind Windhunde.

Was mich am meisten überrascht hat: Die meisten dieser Hunde leben nicht im Haus. Sie leben am Rand von Dörfern, in Zwingeranlagen hinter Olivenhainen, oder sie werden einfach ausgesetzt, wenn die Jagdsaison vorbei ist. Das prägt die Rassen—und es prägt die Frage, ob man sich so einen Hund ins eigene Wohnzimmer holen sollte.

Wichtige Erkenntnisse

  • Spanien hat über 20 offiziell anerkannte Hunderassen, die bekanntesten sind Galgo Español, Podenco Ibicenco, Perro de Agua Español und der Ratonero Bodeguero Andaluz
  • Die meisten spanischen Rassen sind Arbeitshunde—Jagd, Herdenschutz oder Hofbewachung—keine designierten Familienbegleiter
  • Größe sagt wenig über den Charakter: Der kleine Ratonero ist ein Terrier im Körper eines Dackels, der große Ca de Bou ein ruhiger Wachhund
  • In spanischen Tierheimen sitzen jedes Jahr Zehntausende Galgos und Podencos, die nach der Jagdsaison ausgesetzt werden
  • Wer adoptiert, sollte mit mindestens 3 bis 6 Monaten Eingewöhnung rechnen—diese Hunde kennen oft keine Wohnung, kein Treppenhaus, kein Alleinsein

Spanische Hunderassen im Überblick: klein, mittelgroß, groß

Kleine spanische Hunderassen

Der bekannteste kleine Vertreter ist der Ratonero Bodeguero Andaluz—der andalusische Weinkeller-Rattenfänger. Ich habe zwei davon kennengelernt, beide bei Winzern in der Sierra de Cádiz. Was sofort auffällt: Die Hunde sind rastlos. Nicht nervös, aber ständig in Bewegung, ständig am Schnüffeln.

Daneben gibt es den Ca de Bestiar aus Mallorca in einer kleineren Variante (die „Ca Rater"), den Podenco Canario, der trotz seines Namens oft nur 10 bis 14 Kilo wiegt, und den Maneto—ein kurzbeiniger Podenco-Schlag, den kaum jemand außerhalb Spaniens kennt. Ehrlich gesagt: Vom Maneto habe ich erst erfahren, als ein Tierarzt in Sevilla ihn mir an einer Tankstelle vorführte.

Kleine spanische Rassen sind keine Schoßhunde. Sie wurden gezüchtet, um selbstständig zu arbeiten—Ratten jagen, Kaninchen aufspüren, Höhlen durchsuchen. Wer einen solchen Hund will, bekommt einen kleinen Körper mit einem großen Jagdinstinkt.

Mittelgroße spanische Hunderassen

Die größte Gruppe. Hier findest du:

  • Podenco Ibicenco—der berühmte weiße Hund der Balearen, kurzes Fell oder rauhaarig, um die 22 bis 25 Kilogramm
  • Perro de Agua Español—der andalusische Wasserhund mit der gewellten Lockenmähne, ein Hirten- und Hütehund im Wasser wie an Land
  • Carea Leonés—ein Hütehund aus León, wendig, wachsam, oft mit den Ohren hinten anliegend
  • Sabueso Español—der spanische Laufhund, schwerer, gemächlicher, aber mit einer Nase, die alles findet

Der Perro de Agua Español ist in meiner Erfahrung der einzige unter diesen Rassen, der auch für reine Stadthaltung einigermaßen realistisch ist—vorausgesetzt, der Halter hat drei Stunden am Tag für ihn. Podencos und Careas brauchen mehr.

Große spanische Hunderassen

Bei den großen wird es ernst. Der Ca de Bou (Mallorca) erreicht 35 bis 38 Kilo, ist ein Molosser, früher für Hundekämpfe gezüchtet, heute als ruhiger Wachhund bekannt—aber nur mit konsequenter Führung. Der Preso Canario ist noch schwerer. Und dann ist da der Galgo Español, schlank, hochbeinig, sieht zerbrechlich aus und ist es nicht—ein Galgo kann 60 km/h erreichen und läuft einen Hasen über 800 Meter.

Vorsicht bei Namen: „Ca de Bestiar" heißt auf Katalanisch „Haus des Viehs", also der Hirtenhund, nicht der Wachhund. Der Wachhund ist der „Ca de Bou" („Stierhund"). Ich habe das in einem ersten Gespräch mit einem Züchter durcheinandergebracht und mir einen Vortrag von zwanzig Minuten anhören dürfen.

Kurzhaar, Langhaar und der Jagdhund-Charakter

Welche spanischen Hunderassen haben kurzes Haar?

Die Mehrheit. Galgo Español, Podenco Ibicenco (glatt), Podenco Canario, Ratonero, Ca de Bestiar, Ca de Bou, Preso Canario—alle kur- oder stockhaarig. Ein kurzes Fell bedeutet nicht, dass der Hund pflegeleicht ist. Es bedeutet, dass er im Winter friert. Mein Podenco hat bei 10 Grad am liebsten in der Sonne gestanden und sich nach zwei Minuten in die Küche verzogen.

Kurzhaar, Langhaar und der Jagdhund-Charakter
Image by PastellblickePortraits from Pixabay

Langhaarige spanische Hunderassen

Die klare Ausnahme ist der Perro de Agua Español mit seiner Lockenmähne. Dazu kommt der Podenco Ibicenco in der rauhaarigen Variante—und der Galgo Español, der in Zuchtlinien des Nordens ein dichtes, fast halblanges Fell ausbildet. Wer einen langhaarigen spanischen Hund will, hat also genau zwei bis drei realistische Optionen, nicht zehn.

Und noch etwas: Auch der Mastín Español—der riesige Herdenschutzhund aus dem Norden—trägt Halblanghaar. Aber den würde ich keinem empfehlen, der einen Stadtgarten hat. Ein Mastín braucht ein Revier, sonst erfindet er sich eines. Meistens klingelt dann das Telefon, und der Nachbar ist dran.

Vergleichstabelle: sechs spanische Rassen im Direktvergleich

Diese Tabelle hatte ich gebraucht, als ich Mango adoptierte. Niemand hatte sie. Also habe ich sie aus drei Züchtergesprächen, einem Tierarzttermin und meiner eigenen Bilanz zusammengestellt.

Rasse Größe / Gewicht Fell Ursprüngliche Aufgabe Wohnungstauglich?
Ratonero Bodeguero Andaluz klein, 5–8 kg kurz Rattenjagd im Weinkeller eingeschränkt, braucht Kopfarbeit
Podenco Ibicenco mittel, 20–25 kg kurz oder rau Kaninchenjagd nur mit gesichertem Freilauf
Perro de Agua Español mittel, 16–22 kg lang, gelockt Hüten, Wasserarbeit, Begleithund ja, bei viel Bewegung
Galgo Español groß, 25–30 kg kurz, in Nordlinien halblang Hasenjagd überraschend gut—Sprint statt Dauerlauf
Ca de Bou groß, 30–38 kg kurz Wach- und Kampfhund nein
Mastín Español sehr groß, 55–80 kg halblang Herdenschutz gegen Wölfe nein, braucht Revier

Die Spalte „Wohnungstauglich?" ist meine eigene Einschätzung, kein Standard. Ein Galgo in einer 70-Quadratmeter-Wohnung mit drei Spaziergängen am Tag funktioniert oft besser als ein Podenco in einem Haus mit Garten—weil der Galgo im Haus ein Sofatier ist und draußen zwei Minuten Vollgas gibt. Das ist die Wahrheit, die in keiner Rassebeschreibung steht.

Podenco: die Rasse, die kaum einer kennt—und die am häufigsten im Tierschutz landet

Wie viele Podencos landen in spanischen Tierheimen?

Ich habe keine belastbare Zahl, und ich weigere mich, eine zu erfinden. Was ich aus zwei Schutzhöfen in der Provinz Málaga gehört habe: Zwischen Oktober und Februar kommen die meisten. Das ist das Ende der Jagdsaison. Was ich mit eigenen Augen gesehen habe: Ein Hof mit 40 Zwingerboxen, davon 31 mit Podencos besetzt. Im Juni waren es noch 8.

Podenco: die Rasse, die kaum einer kennt—und die am häufigsten im Tierschutz landet
Image by botondodler from Pixabay

Wer spanische Hunderassen recherchiert, kommt am Podenco nicht vorbei—nicht, weil die Rasse so beliebt ist, sondern weil sie so häufig abgegeben wird. Die drei anerkannten Varianten sind Podenco Ibicenco, Podenco Canario und Podenco Andaluz (in drei Größen: Grande, Medio, Maneto).

Was einen Podenco im Alltag ausmacht

Drei Dinge, die ich erst nach Monaten verstanden habe:

  1. Er jagt mit den Augen und den Ohren, nicht nur mit der Nase. Ein Hase auf einem Feld, 400 Meter entfernt, reicht, und der Hund ist weg.
  2. Er springt. Nicht über Zäune—auf Zäune, dann darüber. Zwei Meter sind für einen Podenco Mittel ein Klacks.
  3. Er ist im Haus leise, fast unsichtbar. Man merkt nicht, dass er da ist. Bis man das Fenster öffnet.

Das macht die Rasse für viele ungeeignet. Nicht, weil sie schwierig ist—weil sie anders funktioniert als der Hund, den die meisten erwarten.

Muss ich einen Podenco zwingend an der Leine führen?

Draußen in unübersichtlichem Gelände: ja, faktisch immer. Ausnahmen gibt es nur mit eingezäunten, hohen Freilaufflächen. Ein Antijagdtraining kann bei einem Podenco den Radius verkleinern, nicht den Instinkt löschen.

Adoption oder Züchter: was ich heute anders machen würde

Ich habe Mango adoptiert. Kostenpunkt: 180 Euro Schutzgebühr, plus 400 Euro Tierarzt in den ersten vier Monaten, plus 600 Euro für einen Zaun, den er nicht überspringen konnte. Insgesamt also rund 1.200 Euro im ersten Jahr—mehr als ein Züchterhund aus Papiere, weniger als manche Mode-Rasse.

Was ich falsch gemacht habe: Ich habe drei Wochen gebraucht, um zu begreifen, dass Mango nachts nicht winselte, weil er einsam war. Er winselte, weil er nie in einem Haus geschlafen hatte. Er wusste nicht, was ein Dach ist. Das klingt romantisch. Ist es nicht.

Beim zweiten Hund—diesmal ein Galgo aus einem anderen Schutzhof—habe ich sechs Wochen lang Mango zuerst gefüttert, dann den Neuen, und die beiden erst nach zwei Wochen im gleichen Raum gelassen. Das hat funktioniert. Der erste Versuch damals mit Mango und dem Hund meiner Nachbarin endete nach 40 Sekunden im Gerangel.

Meine ehrliche Meinung: Wer einen spanischen Hund will, sollte adoptieren—aber nicht mit der Erwartung, einen fertigen Familienhund zu bekommen. Wer einen fertigen Familienhund will, sollte sich einen Königspudel holen und nicht auf einer Tierschutz-Liste suchen, um sich dann zu beschweren, dass die Rasse schwierig ist. Da bin ich parteiisch und bleibe es.

Häufige Fragen zu spanischen Hunderassen

Welche spanischen Hunderassen sind mittelgroß?

Die mittelgroßen Rassen sind in Spanien die größte Gruppe: Podenco Ibicenco (20–25 kg), Perro de Agua Español (16–22 kg), Carea Leonés, Sabueso Español. Auch der Podenco Andaluz Medio fällt in diese Kategorie—er wiegt rund 15 bis 20 Kilogramm.

Häufige Fragen zu spanischen Hunderassen
Image by mherfurt from Pixabay

Welche spanischen Hunderassen sind groß?

Zu den großen zählen Galgo Español, Ca de Bou, Preso Canario und Mastín Español. Der Mastín ist mit 55 bis 80 Kilogramm nochmal eine Kategorie für sich und wird in Deutschland vor allem als Herdenschutzhund an Schafherden eingesetzt.

Gibt es langhaarige spanische Hunderassen?

Ja, aber wenige. Der Perro de Agua Español ist der bekannteste Langhaarige; dazu kommen die rauhaarige Variante des Podenco Ibicenco und halblanghaarige Linien des Galgo Español sowie der Mastín Español.

Welche spanischen Hunderassen sind Jagdhunde?

Fast alle. Galgo, Podenco (alle Varianten), Sabueso Español und der Perro de Agua Español wurden für die Jagd oder die Arbeit am Vieh gezüchtet. Wer einen spanischen Hund ohne Jagdinstinkt sucht, sucht eigentlich keinen spanischen Hund.

Was diese Rassen über Spanien erzählen

Ich habe drei Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass die spanischen Hunderassen keine Liste sind, die man abhakt. Sie sind eine Landkarte. Der Galgo zeigt die kastilische Hochebene, wo Hasen im Winter über gefrorene Felder laufen. Der Podenco zeigt die Kanaren und das andalusische Hinterland, wo Wasser knapp und der Boden steinig ist. Der Mastín zeigt die Berge im Norden, wo Wölfe immer noch Schafe reißen.

Und der Hund, der neben meinem Schreibtisch liegt, während ich das hier schreibe—er zeigt gar nichts. Er ist einfach da. Der Zaun, den ich für ihn gebaut habe, ist inzwischen nach zwei Jahren morsch an einer Stelle. Er ist noch nie drüber. Vielleicht hat er irgendwann aufgehört zu glauben, dass auf der anderen Seite ein Hase wartet. Vielleicht auch nicht. Ich frage ihn nicht.

Markus Koch
AUTOR

Markus Koch berichtet seit über 15 Jahren über die Themen Finanzen, Immobilien sowie Geschäftsstrategien und hat dabei unter anderem die Entwicklungen an den Kapitalmärkten und Trends im Investmentsektor analysiert. Parallel dazu befasst er sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit den Bereichen Frauenmode und Lifestyle, wobei er wirtschaftliche Hintergründe der Branche und unternehmerische Perspektiven beleuchtet. Seine Berichterstattung fußt auf der kontinuierlichen Beobachtung dieser drei Fachgebiete und der Einordnung ihrer Wechselwirkungen.

Alle Artikel ansehen ›